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12.04.2017 13:43 Alter: 242 Tage

Vom Flüchtling zum Mitarbeiter


Die Welle der geflüchteten Menschen in den Jahren 2015 und 2016 war begleitet von einer riesigen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und der Unternehmen. Nach den grundsätzlichen Versorgungsthemen, Sprach- und Integrationskursen werden nun viele Bemühungen unternommen, die Menschen in die Gesellschaft und die Arbeitswelt zu integrieren. Der Weg in Arbeit ist jedoch steinig und hürdenreich. Zum einen konnten Dokumente nicht mit nach Deutschland gebracht werden und zentrale Anlaufstellen im Heimatland für deren Beschaffung nicht mehr existent. Zum anderen liegt der in Deutschland anerkennbare schulische oder berufliche Abschluss durch das Anerkennungsverfahren nicht auf dem Niveau der Heimatländer. 

Letzten Herbst startete das Jobcenter Kiel mit der Technischen Akademie Nord das „Individuelle Qualifizierungszentrum für Migranten“. Hier werden bis zu 50 geflüchtete Menschen an eine Ausbildung oder eine Arbeitsaufnahme im gewerblich-technischen Bereich in der Metall-, Elektro- und Baubrache herangeführt.

Dabei setzt die Technische Akademie Nord auf „neue Wege, losgelöst von der deutschen Abschlussreihenfolge, die den Teilnehmern eine Feststellung und Anerkennung ihrer Kompetenzen ermöglichen ohne Zeit zu vergeuden“, erläutert Geschäftsführer Björn-Ole Böttcher. „Wir analysieren die Kompetenzen, die die Menschen in ihren Heimatländern erworben haben, und qualifizieren von da auf das am deutschen Arbeitsmarkt benötigte Niveau!“.

Arne Krasemann,  Bereichsleiter Markt & Integration des Jobcenter Kiel kann dies nur bekräftigen: „Nur wenn die Teilnehmer bestmöglich vorbereitet werden, wie hier im individuellem Qualifizierungszentrum für Migranten, und wenn die Bildungsträger, JobCenter, Kammern und Unternehmen zusammenarbeiten und den Menschen eine Chance geben, kann die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen“.

An Nachmittag des 14. März sind in genau diesem Bestreben Unternehmen der Region, Verantwortliche von JobCenter, IHK,  T-A-Nord und die Flüchtlinge zur Veranstaltung „Vom Flüchtling zum Mitarbeiter“ zusammengekommen.

Innerhalb der Veranstaltung konnten Unternehmen die potentiellen Praktikanten, Auszubildenden oder Arbeitnehmer kennenlernen, sie bei der Arbeit beobachten und sich über Ihre Erfahrungen austauschen. Dabei sind von technisch interessierten Schulabgängern bis zu Elektrofachkräften mit acht Jahren Berufserfahrung sowohl die handwerklichen Fähigkeiten als auch die Sprachkenntnisse sehr breit gefächert. Zwei der Unternehmensvertreter waren sofort überzeugt und boten Praktikumsplätze an.

Der Projektleiterin Susan Mazaheri, selbst einst aus dem Iran geflohen, ist die erfolgreiche Vermittlung der Teilnehmer eine Herzensangelegenheit. Stolz berichtete sie über die sprachlichen Fortschritte und die sozialen Kompetenzen, die die jungen Männer schon erreicht haben. Dabei hilft ein engagiertes Team aus Ausbildern, Muttersprachlern (Farsi, Arabisch, Kurdisch), Jobcoaches und Sozialpädagogen. Manchmal auch ganz alltägliche Aktivitäten, die zu mehr Integration führen. So berichteten die Kollegen über Fußballtrainings, einen Bowlingabend und den Besuch auf dem Weihnachtsmarkt – alle Aktivitäten, die das Team stärken und an die deutschen Traditionen und Werte heranführen sind sehr bereichernd für alle Beteiligten.

Das Highlight für alle war das orientalische Buffet zum Abschluss mit Speisen, die die Teilnehmer selbst zubereitet und mitgebracht haben. Der Austausch über Namen der Gerichte, Zutaten, Gewürze, Gerüche und Traditionen aus den Heimatländern bietet noch einmal eine lockere Atmosphäre für weitere Gespräche und das Kennenlernen einzelner Geschichten und bisherigen Lebenswege.

Zusammenfassend lobt Thomas Wetterau vom Jugendlichen Jobcenter Kiel seine Jungs am nächsten Tag in einem Schreiben: „Mit jedem neuen Besuch bei der Technischen Akademie Nord stelle ich fest, wieviel positive Sprachfortschritte Ihr als Gruppe gemacht habt. Ihr habt eindrucksvoll gezeigt, dass Ihr Euch auch sehr viel Fachwissen angeeignet habt.“


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