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16.01.2018 11:52 Alter: 213 Tage

Qualifizierungszentrum für Migranten (m/w)

Im November 2017 endete das Projekt „Qualifizierungszentrum für Migranten (m/w)“, welches die Technische Akademie Nord unter Förderung der Agentur für Arbeit in Kiel durchführte.


Herr Ahmad, Elektroausbilder, Technische Akademie Nord

Herr Ibrahim mit seinem Chef Herr Peters, P&S Metallbau

Zeit Bilanz zu ziehen… Was wird aus den Menschen, die aus Krieg und Perspektivlosigkeit nach Deutschland flüchten?

Die Technische Akademie Nord steht in Kiel bereits seit über 40 Jahren für ganzheitliche Angebote in der technischen Aus- und Weiterbildung. Neben der überbetrieblichen Erstausbildung, der Aufstiegsfortbildung zum staatlich geprüften Techniker (m/w) und dem Seminar- und Lehrgangsangebot, unterstützt der gemeinnützige Verein Projekte für Kinder und Jugendliche in der Berufsorientierung und Maßnahmen der JobCenter und Agenturen für Arbeit zur Arbeitsmarktintegration.

Bereits im Sommer 2016 ist aus der Bündelung dieser Kompetenzen ein Projektkonzept zur Vermittlung von Migranten (m/w) in den deutschen Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt entstanden. Dieses wurde als Maßnahme der Agentur für Arbeit ausgeschrieben und von der Technischen Akademie Nord durchgeführt.

In das Projekt wurden geflüchtete Menschen mit Interesse an Metall- und Elektroberufen aufgenommen. Nach der Feststellung der Fähigkeiten und Kenntnisse, der Ermittlung individueller Förderbedarfe und Berufsorientierung, wurde teilnehmergenau ein Ausbildungsplan erstellt. Neben der beruflichen Grundausbildung im Elektro- und Metallbereich in der hauseigenen Lehrwerkstatt, fanden durchgehend Mathematik- und fachbezogener Deutschunterricht statt.

Mit einem hochmotivierten Team von Ausbildern, Fachlehrern, Sozialpädagogen und Jobcoaches – zum Teil mit entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen – sind von Oktober 2016 bis November 2017 46 Migranten (m/w) an berufliche Möglichkeiten in den Bereichen Metall und Elektro herangeführt worden.

Galal Ahmad, Ausbilder im Elektrobereich, kommt aus dem Irak und hat dort als Physiklehrer in einer Realschule gearbeitet. 1997 ist er über den Iran und die Türkei nach Deutschland geflohen. Nach Tätigkeiten im Bereich Elektrik und Schaltschrankbau, konnte er mit Förderung des JobCenters bei der Technischen Akademie Nord im Juni 2016 die Umschulung zum Industrieelektriker abschließen. Genau der richtige Zeitpunkt, um ihn anschließend für einen Einsatz als Ausbilder im Projekt weiter vorzubereiten. „Ich spreche arabisch und kurdisch. So konnte ich vielen Teilnehmern, die noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatten, bei Problemen helfen. Auch ist es ihnen oft leichter gefallen zu mir eine Vertrauensbasis aufzubauen, da ich aus ihrem Kulturkreis stamme.“

Ca. 85% der Teilnehmer stammte aus Syrien, andere kamen aus Afghanistan, dem Jemen, dem Iran, Pakistan, aus Kasachstan und aus afrikanischen Ländern: Eritrea, Ghana, Nigeria, Somalia und dem Sudan. Sie waren zwischen 18 und 45 Jahre alt. Auch seitens der Schulbildung, der Berufserfahrung sowie der familiären Situation und ggf. traumatischen Erlebnissen, hatte die Gruppe vielfältige Hintergründe.

Migranten, die seit ca. zwei bis drei Jahren in Deutschland leben, müssen hier in vielerlei Hinsicht Neues lernen, nicht nur was die deutsche Sprache betrifft, sondern alles, was Alltag und Berufswelt ausmacht und oft im krassen Unterschied zu ihrem Herkunftsland steht. Dies gilt nicht allein für die Wohnungssuche, den Bürokratismus in allen Verwaltungsbereichen, das Regelwerk und die Fallstricke in Vertragsangelegenheiten, sondern allgemein auch für erwartete Werte wie etwa Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Parallel wurde deshalb intensiv an den Erwartungen an die deutsche Wirklichkeit und den Berufsalltag, sowie am Teamgefüge der unterschiedlichen Mentalitäten gearbeitet und die Sozialkompetenzen gestärkt. Auch Anerkennungsverfahren vorhandener Abschlüsse wurden unterstützt und persönliche Angelegenheiten, gerade von allein geflüchteten Menschen, von den Sozialpädagogen und Coaches begleitet.

Ergänzt wurde die Qualifizierung durch Betriebsbesichtigungen und berufsbezogene Praktika in Kieler Unternehmen. Um grundlegenden Hemmnissen in der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, sowohl seitens der Firmen als auch seitens der Flüchtlinge zu begegnen, fanden zahlreiche Gespräche mit den involvierten Firmen und Termine zum persönlichen Kennenlernen in der Ausbildungswerkstatt statt. Innerhalb der betrieblichen Erprobung wurden die Unternehmen fortlaufend unterstützt und sich aufzeigende Probleme und Kompetenzlücken bearbeitet.

Mahamed Ibrahim kommt aus Syrien, hat dort Buchhalter gelernt und in diesem Beruf gearbeitet. Vor vier Jahren musste er seine zerstörte Heimat verlassen, hat zwei Jahre im Libanon als Kassierer gearbeitet und ist dann über Griechenland nach Deutschland gekommen. Die Aussicht, auch in Deutschland als Buchhalter eine Arbeit zu finden, war für ihn gering. Aber seine handwerklichen Fähigkeiten zu nutzen, darin sah er eine Chance, in einem Metallberuf schnell in Arbeit zu kommen. Diese erhielt er von Sönke Peters, Geschäftsführer von P&S Metallbau, der ihn als Metallhelfer eingestellt hat: „Grundsätzlich werden in den Medien die negativen Aspekte in der Berichterstattung über Migranten überbetont. Bei der Einstellung meiner Mitarbeiter bin ich allgemein sehr vorsichtig. Die Nationalität spielt für mich keine Rolle. Uns fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Herr Ibrahim hat sich von Anfang an sehr gut eingearbeitet und ist in kurzer Zeit zu einem wertvollen Teammitglied geworden. Er kommt mit anderen Kollegen gut zurecht. Er sollte seine Sprachkenntnisse weiter verbessern. Ich möchte mich von ihm nicht trennen, er ist pünktlich, zuverlässig und arbeitet sorgfältig.“

Ungefähr die Hälfte der Projektteilnehmer wurden in Ausbildung und Arbeit vermittelt oder nehmen aktuell an einer Umschulung mit Ausbildungsabschluss vor der IHK bei der Technischen Akademie Nord teil. Die anderen Teilnehmer erweitern ihre Sprachkenntnisse in Deutschkursen und nutzen andere berufsintegrierende Maßnahmen.


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