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Warum ist selbst ausbilden so sinnvoll für Unternehmen? Die Vorteile der innerbetrieblichen Ausbildung

Die Ausbildungslandschaft in Deutschland

Die Berufs- und Ausbildungslandschaft in Deutschland ist sehr vielfältig: Es existieren zurzeit insgesamt 28.000 Berufsbezeichnungen. Im Alltag neigen wir dazu, Berufe in Berufsgruppen wie Handwerksberufe oder Büroberufe zusammenzufassen – der sprachliche Gebrauch führt aber zu Überschneidungen und ist keine korrekte Bezeichnung.  

Im novellierten Berufsbildungsgesetz (BBiG), welches zum 01. Januar 2020 in Kraft getreten ist, werden unter anderem neue Berufsbezeichnungen festgehalten. Der neue Titel “Bachelor Professional” darf zum Beispiel zur jeweiligen Berufsbezeichnung ergänzt werden und sorgt für Einheitlichkeit und internationale Vergleichbarkeit. Die beruflichen Abschlüsse werden in Beziehung zu akademischen Abschlüssen gesetzt, wodurch die Gleichrangigkeit von beruflicher und akademischer Bildung betont werden soll. Gleichzeitig wird die Attraktivität der Berufsausbildung gesteigert.  

Im Bereich der Berufsorientierung definiert die Bundesagentur für Arbeit 16 Berufsfelder, in denen Sie in Deutschland eine Ausbildung absolvieren oder eine betriebliche Ausbildung anbieten können:  

  • Landwirtschaft, Natur, Umwelt  
  • Produktion, Fertigung
  • Bau, Architektur, Vermessung  
  • Metall, Maschinenbau  
  • Elektro
  • IT, Computer  
  • Naturwissenschaften
  • Technik, Technologiefelder
  • Wirtschaft, Verwaltung  
  • Verkehr, Logistik  
  • Dienstleistungen
  • Gesundheit
  • Soziales, Pädagogik  
  • Gesellschafts- und Geisteswissenschaften
  • Kunst, Kultur, Gestaltung
  • Medien  

In den meisten Berufsfeldern kann eine berufliche Erstausbildung sowie ein Studium abgeschlossen werden.

Warum sollten Sie eine innerbetriebliche Ausbildung anbieten?

Mithilfe von Aus- und Weiterbildungen steigern Sie nicht nur Ihre Attraktivität als Arbeitgeber, Sie legen zudem die Grundlage für die Zukunft Ihres Unternehmens. Es ist bekannt: Auszubildende bieten viele Vorteile für die Entwicklung der gesamten Produktivität in Ihrem Unternehmen. Nach der abgeschlossenen Ausbildung sind sie sofort einsatzfähige und qualifizierte Fachkräfte. Außerdem verinnerlichen sie die Unternehmensphilosophie und die Arbeitsweise des Unternehmens sehr einfach. Erfahrenere Mitarbeitende stecken hingegen oftmals in festen Verhaltensmustern aus vorherigen Arbeitsverhältnissen, die den sogenannten “Arbeitsflow” stören können.

In einer Studie der Universität Heidelberg wird das Erlernen von firmeninternen Arbeitsabläufen als „[…]spezifisches Humankapital“ bezeichnet. Wird das spezifische Humankapital erhöht, arbeiten Mitarbeitende nachweislich besser und proaktiver im Unternehmen – Grund genug, zukünftige Mitarbeitende selbst auszubilden und an das Unternehmen zu binden. Ihr langfristiges Ziel sollte sein, das Commitment der Azubis bereits während der Ausbildung zu steigern. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese nach dem Abschluss der Ausbildung Ihr Team weiter unterstützen.

Die Eigenschaft, sich einer Sache zu widmen bzw. sich dazu zu verpflichten, gewisse Handlungen im Sinne einer Organisation vorzunehmen, wird als Commitment bezeichnet.

Mitarbeitende, die über ein hohes Commitment zu einer Firma verfügen, neigen zu folgenden Verhaltensweisen:

  • Langfristiges Arbeitsverhältnis
  • Motivierteres Arbeiten  
  • Höhere Priorisierung von Interessen der Firma in Vergleich zu den eigenen Interessen  
  • Identifikation mit den Unternehmenswerten

Ein weiterer Vorteil: Innerbetriebliche Azubis sind bereits in die Strukturen und Prozesse des Unternehmens eingearbeitet. Somit halten Sie zum einen die Einarbeitungskosten für Ihr Unternehmen gering und zum anderen beugen Sie Fehlbesetzungen, häufigen Personalwechsel sowie Kosten bei Neueinstellung vor. Beim Überbrücken von personellen Engpässen können Auszubildende ebenso das Unternehmen und die fortlaufenden Prozesse unterstützen. Hinzu kommt, dass Ihnen bei Übernahme der Azubis die aufwendige Suche nach geeigneten Arbeitnehmenden in Zeiten des Fachkräftemangels erspart bleibt. Sie können Ihren Fachkräftebedarf ganz oder teilweise selber decken und so Ihre Abhängigkeit von den Entwicklungen auf dem externen Arbeitsmarkt reduzieren.  

Wie viel kosten Azubis?

Natürlich spielt für Betriebe das Verhältnis von Kosten und Nutzen bei der Entscheidung für oder gegen die Ausbildung von jungen Erwachsenen eine wichtige Rolle: Die Personalkosten machen dabei neben den Sach- und Anlagekosten den größten Teil aus. Die Azubis verursachen jedoch nicht nur Kosten: Sie leisten durch ihren Arbeitseinsatz auch einen Beitrag zur Produktion von Waren und Dienstleistungen – daher haben sie einen hohen Nutzen für den Betrieb. Generell gilt aus ökonomischer Perspektive, dass der zu erwartende Gesamtnutzen höher sein sollte als die zu erwartenden Ausbildungskosten.  

Was Sie unbedingt bedenken sollten: Auch für kleine und mittelständische Unternehmen lohnt sich die innerbetriebliche Ausbildung. Denn: Die Nettokosten der Ausbildung sind in kleinen Betrieben erheblich geringer als in Großbetrieben.  

Der Weg zum Ausbildunsgsbetrieb

Haben Sie die Vorteile einer Ausbildung erkannt und fragen sich nun, wie Sie zum Ausbildungsbetrieb werden können? Es gibt einige Voraussetzungen aus dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), wie zum Beispiel:  

  • Eignung der Ausbildungsstätte (z.B. müssen im Betrieb alle vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermittelt werden können)
  • Fachliche und persönliche Eignung des Ausbildungspersonals
  • Vorweisung des Ausbilderscheins der IHK (kurz AdA oder AEVO)

Wenn Sie innerbetrieblich ausbilden möchten, dann ist der Ausbilderschein eine Voraussetzung: Mindestens ein Mitarbeitender im Ausbildungsbetrieb muss die Ausbildung zum Ausbilder nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) abgeschlossen haben und somit im Besitz eines Ausbilderscheins sein.

Sie benötigen nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch pädagogische Fähigkeiten, um selbst auszubilden. Diese können bei einer Ausbildung zum Ausbilder erworben werden. Voraussetzungen für den AdA Schein sind unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung in dem Bereich, in dem auch ausgebildet werden soll.

Ausbildung ohne Ausbilderschein geht nur in seltenen Fällen: Wer bereits vor dem 1. August 2009 als Ausbilder im Sinne des §28 BBiG tätig war, ist generell vom Nachweis des Zeugnisses über die Ausbilderprüfung und dem Nachweis über die fachliche Eignung befreit.

Darüber hinaus haben Sie als Ausbildungspersonal Pflichten gegenüber den Azubis, die Sie erfüllen sollten: Als Arbeitgeber müssen Sie die Inhalte vermitteln, die für das Erreichen des Ausbildungsziels nach der Ausbildungsordnung erforderlich sind. Zudem müssen den Auszubildenden in der Ausbildungszeit alle benötigten Materialien kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Es ist außerdem Pflicht der Ausbildenden, den Azubi zum Besuch der Berufsschule anzuhalten und dafür freizustellen.

AEVO-KURS bei der TAN:

Sind Sie an der Ausbildereignungsprüfung interessiert? Lesen Sie hier alles über die Voraussetzungen, Kosten und den Ablauf der AEVO-Prüfung.

Wie steigern Sie die Attraktivität Ihres Betriebes?

Haben Sie Schwierigkeiten, junge Menschen zu finden, die bei Ihnen eine Ausbildung beginnen möchten? Die folgenden Punkte sollten Sie unbedingt bedenken:

  • Individuelle Betreuung der Azubis statt standardisierter Prozesse
  • Mitbestimmung der Auszubildenden wird hoch priorisiert  
  • Mitarbeitende zu Botschaftern und Botschafterinnen machen
  • Neue Wege ausprobieren: Ausbildungsmarketing 4.0 mit dem Ziel, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und Auszubildende zielgerichtet anzusprechen

Nordchance Service - Projekte bei der TAN

Unser Team von NORDCHANCE Service möchte Jugendliche in die Ausbildung integrieren und unbesetzte Ausbildungsplätze in Betrieben besetzen. Informieren Sie sich hier!

Unterstützung durch das Ausbildungszentrum der TAN

Benötigen Sie Unterstützung bei der Durchführung der gesamten Grundausbildung oder einzelner Ausbildungsmodule? In unserem überbetrieblichen Ausbildungszentrum greifen wir Ihnen gerne bis zur 1. Abschlussprüfung unter die Arme. Wir bilden unter anderem folgende Metall- und Elektroberufe aus:

  • Elektroniker/in für Automatisierungstechnik
  • Elektroniker/in für Betriebstechnik
  • Elektroniker/in für Geräte und Systeme
  • Gießereimechaniker/in
  • Industriemechaniker/in
  • Konstruktionsmechaniker/in
  • Zerspanungsmechaniker/in
  • Mechatroniker/in

Außerdem bietet die TAN zahlreichen Angeboten, wie:  

  • Prüfungsvorbereitungen für die Zwischen- und Abschlussprüfung
  • Betreuung der Auszubildenden und Koordination mit der IHK
  • Assessment-Center für die Auswahl von Auszubildenden und Werkstudierenden
  • Vermittlung von Praktikanten und Praktikantinnen
  • Suche nach potentiellen Auszubildenden

Das Wichtigste für Sie auf einen Blick

  • Neue Berufsbezeichnungen dienen zur Erkennung gleichen Ranges von beruflichen zu akademischen Ausbildungen
  • Die Ausbildungskosten decken sich durch die Arbeitskraft eines Azubis
  • Bedenken Sie zu erfüllende Punkte auf dem Weg zum Ausbildungsbetrieb wie den Ausbilderschein  
  • Neue Möglichkeiten wie das Ausbildungsmarketing 4.0 nutzen, um freie Stellen auszuschreiben
  • Kostengünstige Alternative: Externe Ausbildung von Ausbildungsinhalten, die man im eigenen Betrieb nicht vermitteln kann oder möchte  

Ausbildung der Arbeitnehmenden als dauerhafter Prozess

Auch nach Abschluss der Ausbildung gilt: Es sollte kein Stillstand eintreten. Die fortlaufenden Veränderungen in jeder Branche erfordern den regelmäßigen Besuch von Schulungen und Fortbildungen. Das gilt ebenso für erfahrene Arbeitskräfte wie für Berufseinsteigende: Um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu erhalten, sollte auf eine ganzheitliche Ausbildung aller Mitarbeitenden wertgelegt werden. Dabei kommt es auf allgemeine Kenntnisse wie das theoretische Fachwissen zu relevanten Themen sowie auf unternehmensspezifische Kenntnisse wie die Erfahrung mit den Arbeitsabläufen im Unternehmen an.  

Sie sollten stets bedenken: Die Ausbildung von Arbeitskräften ist ein dauerhafter Prozess, der erst dann endet, wenn Mitarbeitende das Unternehmen verlassen.

Sie wollen ausbilden? Der nächste AEVO-Vorbereitungskurs:

Lehrgänge mit IHK-Abschluss
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Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung (AEVO) Intensiv-Tageskurs (1 Woche)

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